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FISG und der Versicherungsmarkt

  • Autorenbild: Christina Schelbert
    Christina Schelbert
  • 10. Mai
  • 2 Min. Lesezeit


🔍🔍 FISG, § 323 Abs. 2 HGB und der harte Versicherungsmarkt: Die neue Realität für Wirtschaftsprüfer und wirtschaftsberatende Berufe


Mit dem Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) hat der Gesetzgeber als Reaktion auf den Wirecard-Skandal die berufsrechtlichen und haftungsrechtlichen Anforderungen an Abschlussprüfer fundamental verschärft. Besonders betroffen sind Wirtschaftsprüfer mit Prüfungsmandaten bei Unternehmen von öffentlichem Interesse (PIE), Kreditinstituten sowie CRR-regulierten Instituten.


Die Änderungen reichen weit über reine Governance-Themen hinaus – sie verändern den gesamten Risiko- und Versicherungsmarkt für Wirtschaftsprüfer.


⚖️ Neue Haftungshöchstsummen nach § 323 Abs. 2 HGB


Seit Inkrafttreten des FISG gelten deutlich erhöhte Haftungsgrenzen für gesetzliche Abschlussprüfungen:


▪️ 16 Mio. EUR

bei kapitalmarktorientierten PIE-Unternehmen gemäß § 316a Satz 2 Nr. 1 HGB


▪️ 4 Mio. EUR

bei nicht kapitalmarktorientierten Kreditinstituten und Versicherungsunternehmen (PIE nach § 316a Satz 2 Nr. 2 und 3 HGB)


▪️ 1,5 Mio. EUR

bei sonstigen Kapitalgesellschaften ohne PIE-Status


Noch gravierender:

Bei grober Fahrlässigkeit entfällt die Haftungsbegrenzung für kapitalmarktorientierte PIE-Prüfungen vollständig. Für sonstige PIE-Mandate steigt die Grenze auf 32 Mio. EUR, bei Nicht-PIE-Gesellschaften auf 12 Mio. EUR. Vorsatz bleibt ohnehin unbeschränkt haftungsrelevant.


Damit hat sich das persönliche und gesellschaftsrechtliche Haftungsprofil von Prüfungsgesellschaften nachhaltig verändert.


🏦 Besondere Herausforderungen bei CRR- und Kreditinstituten


Gerade Prüfungen von Kreditinstituten und CRR-regulierten Unternehmen stehen zunehmend im Fokus der Aufsicht. Die Anforderungen der BaFin, EBA-Guidelines, MaRisk-Novellen, ESG-Risiken, Geldwäscheprävention, DORA sowie die steigende Bedeutung modellbasierter Prüfungen führen zu erheblich komplexeren Prüfungssachverhalten.


Die Prüfungsdichte und Dokumentationserfordernisse steigen kontinuierlich – insbesondere bei:


• ICAAP-/ILAAP-Prüfungen

• AML- und KYC-Kontrollsystemen

• ESG- und Nachhaltigkeitsberichterstattung

• IT- und Cyber-Resilience-Prüfungen

• Modellvalidierungen und CRR-Risikoparametern

• Governance- und Organisationspflichten nach § 25a KWG


Parallel verschärft die BaFin ihre Prüfungspraxis und erweitert kontinuierlich ihre Eingriffs- und Überwachungsbefugnisse.


📑 Berufsrechtliche Konsequenzen für Wirtschaftsprüfer


Das FISG hat nicht nur die externe Bilanzkontrolle neu strukturiert, sondern auch die Anforderungen an:


• Unabhängigkeit

• Qualitätsmanagementsysteme

• interne Governance

• Rotationspflichten

• Prüfungsdokumentation

• Forensik- und Fraud-Detection-Prozesse


massiv erhöht.


Die Erwartungshaltung an Wirtschaftsprüfer entwickelt sich zunehmend vom klassischen Abschlussprüfer hin zum umfassenden Risiko- und Integritätskontrolleur des Finanzsystems.


🛡️ Der Versicherungsmarkt für Wirtschaftsprüfer bleibt angespannt


Die versicherungstechnischen Auswirkungen dieser Entwicklung sind inzwischen deutlich spürbar:


▪️ steigende Prämien in der Vermögensschaden-Haftpflicht

▪️ reduzierte Zeichnungskapazitäten

▪️ strengere Risikoprüfungen durch Versicherer

▪️ höhere Selbstbehalte

▪️ zunehmende Ausschlüsse für Cyber-, ESG- oder AML-bezogene Risiken

▪️ kritische Bewertung von PIE-, Financial-Services- und internationalen Mandaten


Besonders anspruchsvoll gestaltet sich derzeit die Platzierung größerer Deckungskonzepte für:


• PIE-Abschlussprüfer

• CRR- und KWG-nahe Mandate

• internationale Prüfungsstrukturen

• Financial-Services-Spezialisten

• Kanzleien mit kapitalmarktorientierten Mandanten


Viele Versicherer prüfen heute nicht mehr nur Umsatz und Claims-Historie, sondern insbesondere Governance-Strukturen, Qualitätskontrollsysteme, Mandatsstruktur, Branchenfokus und interne Compliance-Prozesse.


📈 Fazit


Das Zusammenspiel aus FISG, verschärfter Aufsicht, regulatorischer Verdichtung und einem restriktiven Versicherungsmarkt verändert das Risikoprofil wirtschaftsprüfender und rechtsberatender Berufe fundamental.


Wer heute Prüfungsmandate im Bereich PIE, CRR oder Financial Services übernimmt, benötigt nicht nur fachliche Exzellenz, sondern ein belastbares Zusammenspiel aus:


✔ professionellem Qualitätsmanagement

✔ regulatorischer Spezialexpertise

✔ dokumentierten Governance-Prozessen

✔ strategischer Haftungssteuerung

✔ und einer langfristig tragfähigen Versicherungslösung


Die Branche steht damit vor einem Paradigmenwechsel:

Von der klassischen Abschlussprüfung hin zu einem hochregulierten Haftungs- und Vertrauensberuf mit systemischer Verantwortung.




 
 
 

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